Die Zwillinge, die mit den Schatten spielen
Von Doris Weber
Dossenheim. "Tandaradei, Tandaradei, kommt herbei, kommt herbei", so flötete die Meerjungfrau. Doch es sollte - noch -
nicht sein. Aber das konnten die Zuschauer nicht ahnen. Denn noch waren sie gemeinsam mit St. Brandan auf dessen wundersamen
Seefahrt unterwegs. Anders gesagt: Mit dem Schattenspiel des Berliner Figurentheaters Liselotte hatte "Kunst und Kultur"
als Veranstalter "mal was ganz anderes" in die Museumsscheune geholt, wie ein Besucher sagte.
Anders war die Aufführung gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Darstellung beeindruckte durch ihre phantastischen Bilder.
Scherenschnitte bildeten die wechselnden Kulissen und handelnden Personen. Im Schwarzweiß von Licht und Schatten bestimmten so
allein die Konturen der Akteure und ihre Stimmen die Charaktere der Darsteller. Die Texte in Versform und die mit modernen
Ausdrücken gespickte Sprache zauberten eine ganz besondere Atmosphäre [...]. Das Thema selbst - die mittelalterliche Heiligenlegende
von "St. Brandan" - war spektakulär aufgearbeitet worden, ohne reißerisch zu sein. [...]
Was diese Aufführung noch auszeichnete, das war die Musik zwischen den einzelnen Szenen. Die Klänge der Harfe
harmonierten ganz wunderbar mit der erzählten Geschichte.
Insgesamt hatten die Zwillingsbrüder Carsten und Nils Niemann eine außergewöhnliche Vorstellung geboten.
Das Schattenspiel, zu dem Armin Strohmeyr den Text geschrieben hatte, und die Musik der keltischen Harfe,
komponiert und gespielt von Thomas Siener, hinterließen einen nachhaltigen Eindruck im Publikum. Gern nahm das die Einladung der
Akteuere an, nach einer kurzen Pause den Blick hinter die Kulissen zu wagen.