Stück für "kindische" Erwachsene
Das Figurentheater "Liselotte" brachte "König Keks" in das Odenwälder Freilandmuseum
Gottersdorf. Mit den Gastspielauftritten des Figurentheaters "Liselotte" hatte das
Odenwälder Freilandmuseum in Gottersdorf am vergangenen Wochenende einen weiteren attraktiven
Jahres-Programpunkt. Die Gebrüder Carsten und Nils Niemann brachten in diesem Jahr ein Stück für
Kinder und "kindische" Erwachsene für ihre Guckkastenbühne mit. "König Keks" hieß das Stück von
Babette Dieterich und entstand ursprünglich als Opernlibretto. Die in Stuttgart geborene Autorin hat
das Original fürs Figurentheater umgeschrieben, nachdem sie Bekanntschaft mit den Akteuren von "Liselotte"
gemacht hatte. Uraufführung hatten die Niemann-Brüder mit diesem "zuckersüßen" Stück beim internationalen
Papiertheater-Treffen 2003 in Preetz (Schleswig-Holstein).
Nun konnten Liebhaber dieser raren Theaterkunst im Haus Liebig auf dem Gelände des Odenwälder
Freilandmuseums am Samstag- und Sonntagnachmittag insgesamt drei Aufführungen erleben. Für
maximal 25 Personen pro Vorstellung (für die Gäste auf den hinteren Plätzen lagen Operngläser
bereit) boten die beiden Musikwissenschaftler dies mit viel Sprachwitz gespickte moderne
Märchen in zauberhaften Kulissen und mit vielen liebevollen Detailideen.
Für die Gestaltung der Figurinen und aller Bühnenbilder zeichnet Nils Niemann verantwortlich. Er
führt auch die zahlreichen Papierfiguren an feinen Holzstäbchen. Carsten Niemann spricht - wie
in allen Stücken des Figurentheaters Liselotte - auch in "König Keks" sämtliche Rollen: Von der
kecken Pfefferminzessin bis zum tumben Brösel-Monster. Gemeinsam lassen die beiden so sämtliche
Figuren lebendig werden. Und in der aufgeführten Geschichte geht es durchaus turbulent zu.
Der Sohn von König Keks hat nämlich die Prinzenrolle satt und möchte endlich seine geliebte
Pfefferminzessin heiraten. Zuvor jedoch gilt es, noch einige Pflichten zu erfüllen, denn das böse Brösel
im Baumkuchenwald mus unschädlich gemacht werden und dann hat der Prinz noch die schwierige
Aufgabe, Ingwerplätzchen nach Familienrezept herzustellen, die den hohen Ansprüchen seines
Vaters entsprechen müssen.
Aber wie könnte es anders sein im Märchen - mit viel Zauberei und den richtigen Hexensprüchen zur
rechten Zeit gelingt es dem zaghaften Zuckermaulhelden dank Tatkraft und Schläue seiner geliebten
Prinzessin, das Monster auszuschalten, denn es wird kurzerhand karamellisiert. Nun steht einer
Hochzeit natürlich nichts mehr im Wege und der ganze Hofstaat, von Kammerherr "Yes-Torty", über
den Hofschneider bis hin zum Herold freut sich auf ein großes Fest.
Nach dem Schattentheater im Jugend- und Kulturzentrum im vergangenen Jahr und der Aufführung
2003 im Odenwälder Freilandmuseum, bei welchem der Text für das Papiertheaterstück von den
Zuschauern erst "erwürfelt" werden musste, brachte "Liselotte" nun erstmals ein Stück für Kinder
auf die Guckkastenbühne in Walldürn-Gottersdorf. Kleine und große Zuschauer äußerten die Hoffnung,
dass die Gebrüder Niemann wieder kommen mögen. Die Spielfreude, die die beiden Theaterleute ausstrahlen,
lässt es vermuten!