Schon in der Romantik entdeckten bedeutende Dichter wie Ludwig Uhland, Justinus Kerner oder
Eduard Mörike das Schattenspiel als eigenständige, besonders poetische Ausdrucksform. Doch erst
Anfang des letzten Jahrhunderts gründete der aus Heidelberg stammende Dichter Alexander von Bernus
in München-Schwabing zusammen mit anderen Kunst- und Literaturstudenten das erste stehende
Schattentheater Deutschlands. Für seine Bühne schuf er nach und nach ein eigenes, literarisch
hochwertiges Repertoire. Die Aufführungen der „Schwabinger Schattenspiele“ zogen nicht nur
berühmte Künstlerpersönlichkeiten wie Brüder Heinrich und Thomas Mann, Hermann Hesse und Stefan George in ihren Bann; Bernus´ burleske
Legende vom „St. Anton“ erreichte auf der Münchener Weltausstellung von 1908 in einem eigens erbauten
Schattentheater mit mehreren hundert Aufführungen auch ein breites Publikum. Kurz vor Beginn des ersten
Weltkriegs schlossen die Schwabinger Schattenspiele ihre Pforten, die Stücke des Schwabinger Repertoires haben
aber auch später bei Aufführungen stets ihre Lebensfähigkeit und ihren ungebrochenen Zauber bewiesen.